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Daughters and Sons of Gastarbeiters | Strömung | #PARADIESE

18. August | 16:00 - 18:00

Lesung von Daughters and Sons of Gastarbeiters in der Reihe „Strömung – Literatur auf dem WUK Theater Schiff“

Die Autor*innen der Gruppe Daughters and Sons of Gastarbeiters erzählen in künstlerisch-performativer Form persönliche, bewegende sowie unterhaltende Geschichten aus Perspektive ihrer Herkunftsfamilien. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Es ist es an der Zeit, migrantische und post-migrantische Biographien als Selbstverständlichkeit und Normalität in die deutsche Erinnerungskultur einzubeziehen.

Die Lesungen werden in der Regel von vier Autor*innen durchgeführt und mit Bildprojektionen aus Familienalben, Ton- oder Bildaufnahmen begleitet. Die erzählten Geschichten tragen zur Erinnerungs- und Einwanderungskultur in Ost- und West-Deutschland bei und laden zum Dialog mit dem Publikum zu vielfältigen Themen wie Diskriminierung, Diversity, Zusammenhalt, Identitätssuche und Generationskonflikten ein.

Gegründet im Jahr 2015 in Berlin von Dr. Çiçek Bacik und Ferda Ataman, ging es darum, einen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur zu leisten, indem die „zweite Generation“ an die zum größten Teil stumme Elterngeneration, Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter der ersten Stunde, erinnerte und ihre vergessenen Leistungen würdigte. Seitdem hat die Gruppe an zahlreichen multimedialen Lesungen sowohl in Berlin als auch bundesweit teilgenommen.

Eine Lesung von und mit Rosaria Chirico, Miki Do, Serkan Deniz, Semra Deniz, in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt e.V.

instagram.com/dsgastarbeiters
www.gastarbeiters.de

Termine und Tickets:

Sonntag, 18.08. – 16:00 Uhr
Dauer ca. 2 Stunden
WUK Theater Schiff, Saalepromenade, Steg 4

Der Eintritt ist kostenfrei. Soli-Ticket: 7€
Mit dem Soli-Ticket unterstützten Sie die Programmarbeit des WUK Theater Quartier – vielen Dank!

Erhältlich in unserem Online-VVK unter:
http://www.wuk-theater.de/karten
oder an allen Vorverkaufsstellen der Stadt

Pressestimmen

https://www.gastarbeiters.de/media.html

Rosaria Chirico

Rosaria Chirico ist Tochter süditalienischer Gastarbeiter_innen, die 1965 „für vier Jahre“ nach Deutschland zogen, woraus ein ganzes Leben und drei Generationen wurden. Sie wuchs in Düsseldorf auf, studierte dort und später in Berlin Germanistik, Philosophie und Romanistik. Viele Jahre war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und freiberufliche Schreibdidaktikerin im Hochschulkontext tätig bis sie in eine Berliner Bildungsberatungseinrichtung für Frauen wechselte, wo sie sich u.a. für eine adäquate Arbeitsmarktintegration migrantischer Frauen einsetzt.

Nga Do

Nga Do ist 1996 in Erfurt geboren. Ihr Vater ist 1988 als Vertragsarbeiter aus Ha Noi in die DDR gekommen. Ihre Mutter folgte ihm kurze Zeit später. Nga hat in Göttingen Betriebswirtschaftslehre und in Tokio Japanisch studiert. Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Deutsch-Japanische Jugendgesellschaft, die Austauschprogramme in Deutschland und Japan organisiert, sowie dem Verein Chance-to-grow, der benachteiligte Kinder in Vietnam mit Fördergelder und Bildungsmöglichkeiten unterstützt. Seit 2019 lebt sie mit ihrer Zwillingsschwester in Berlin und schreibt neben ihrer Arbeit als Content Marketing Managerin an verschiedenen Buchprojekten, darunter auch eine siebenteilige High-Fantasy Reihe. Mit einem Familienroman, der ihre eigene Migrationsgeschichte fiktional aufarbeitet, absolviert sie die berufsbegleitende Ausbildung an der Autorenschule Schreibhain. Ngas Texte behandeln stets die Themen Identitätssuche, Selbstfindung, Freiheit und Einsamkeit. In ihrer Freizeit entwickelt sie unter dem Pseudonym Miki Do kreative Inhalte für ihre sozialen Medien, schreibt gelegentlich Kurzgeschichten und zeichnet Manga.

Semira Deniz

Semra Deniz, ist 1973 in Berlin geboren und ist Gastarbeiterkind. Ihre Eltern kommen aus Bingöl, Südosten der Türkei. Sie war Berliner Meisterin im Street Dance 1992. Sie ist Fremdsprachenkorrespondentin, Executive Assistant und Office Managerin. Außerdem ließ sie sich zur Regieassistenz und Heilpraktikerin für Psychotherapie weiterbilden. Ehrenamtlich unterstützt sie Grundschüler mit Migrationshintergrund. Bei Projektwochen einer Moabiter Grundschule begleitete sie Kinder mit Migrationshintergrund.

Serkan Deniz

Serkan Deniz, 1974 in Berlin geboren, Projektkoordinator (Cultural Relations) und Festival-Veranstalter (Heavy Metal). Er studierte Germanistik und Anglistik an der Technischen Universität Berlin (1. Staatsexamen, Studienrat), verbrachte ein Jahr in London als Assistant Teacher und war mehrere Jahre Reiseleiter mit Nordamerikanischen Gruppen durch Europa auf Bildungsreisen. Er ist „Black Metal hörender, satanistisch geprägter agnostischer Buddhist mit muslimischem Hintergrund.“  Er arbeitet als Lehrer in Berlin.

Auszüge

Unter https://www.gastarbeiters.de/leseprobe.html

Rosaria Chirico: Auszug aus dem Kapitel „Sprache“ aus dem Memoir „In vier Jahren“

Das Lieblingswort meines Vaters lautete „wiesowieso“. Und obwohl er fast 50 Jahre in Deutschland lebte, schien es ihn niemals zu stören, dass alle anderen außer ihm „sowieso“ sagten, wenn sie „wiesowieso“ meinten. Wiesowieso versteh ich alles, wiesowieso wir alle kleine Wurmer, so oder so, wir dann tod, Wort egal.“ Meine Mutter hingegen spricht ein nahezu perfektes Deutsch. Sie gibt sich Mühe bei der richtigen Wortwahl, nur die Sache mit den Üs und Ös wird ihr wohl niemals richtig gelingen.

Wenn man die beiden reden hörte, hätte man nicht vermutet, dass sie die gleiche Geschichte teilten. Haben sie auch nicht. Immerhin hat mein Vater von den fast 50 Jahren wiesowieso die Hälfte am Fließband verbracht und dort „wiesowieso reden verboten, Maschinen zu laut, Vorarbeiter Idiot, Kollegen Türken, Griechen, Spanier, usw. nix Deutsch“. Meine Mutter hatte stattdessen immer deutsche Kolleginnen, sogar beim Putzen und vor allem später beim Nähen in schicken Düsseldorfer Boutiquen und als Verkäuferin. Als wir noch zusammen lebten sprachen wir Zuhause ein Mischmasch aus Deutsch und Italienisch: „Chi ha visto la mia weiße Hose?“* „Wann gehen wir fare la spesa?“*

Wir merkten es nur, wenn Freunde zu Besuch waren und diese plötzlich anfingen zu lachen. Unsere Familiensprache war Italienisch. Die Sprache meiner Eltern war ihr Dialekt aus Montmesola. Meine Schwester und ich redeten Deutsch miteinander. In Montemesola spricht man Montemesolino. In Grottaglie, das nur fünf Kilometer entfernt liegt, spricht man Grottagliese. Jedes noch so kleine Dorf hat seinen eigenen Dialekt. Man erkennt sie an ihren deutlich unterschiedlichen Klängen. Man ist stolz auf seinen Dialekt, pflegt ihn. Witze erzählt man sich selbstverständlich im Dialekt, denn so kommen die Pointen besser. Ebenso die sogenannten „fatti“, die wahren Begebenheiten, die bis ins kleinste Detail ausgeschmückt werden. Wenn man einem nach Norditalien Ausgewanderten einen Seitenhieb geben möchte, weil er ein gestelztes Hochitalienisch statt Dialekt spricht, sagt man: „Ma parle come t’ha fatte mammete“. Sprich doch wie deine Mutter dich gemacht hat. Dialekt ist identitätsstiftend, mehr als alles andere.

Details

Datum:
18. August
Zeit:
16:00 - 18:00
Veranstaltungskategorien:
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Veranstaltungsort

WUK Theater Schiff
Saalepromenade, Steg 4
Halle (Saale),
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